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  • Plädoyer für den Squat 

    Man sitzt zu lange, man steht zu viel — und dabei vergisst man leicht, wie essenziell der Squat Kniebeuge) für unsere Bewegungsfähigkeit ist. Er ist kein Trainings-Gimmick, sondern eine fundamentale, uralte Bewegung: Wenn wir uns bücken, wenn wir aufstehen, wenn wir Last heben oder springen — überall kehrt die Kniebeuge wieder. Ein konsequent geübter Squat lehrt uns, die Schwerkraft zu spüren, das Gewicht bewusst zu steuern und Bewegungen sensibel durch den Endpunkt zu führen. Doch was steckt wirklich dahinter? Wie ist der Squat historisch gewachsen, und welche Muskeln, Ketten und neuro-motorischen Aspekte sprechen hier mit? In diesem Text will ich dir nicht nur eine biomechanische Analyse liefern, sondern auch zeigen, warum im Training der Squat eine Rolle im täglichen Übungsprogramm haben sollte — und wie eine osteopathische Sichtweise ergänzend hilft, Hemmungen in Bewegungsmustern zu erkennen und zu lösen. Herkunft des Squats Der Begriff „Squat“ ist im Englischen verankert, bedeutet wörtlich „hocken, in die Hocke gehen“. In vielen alten Kulturen war die Kniebeuge-Alltagsbewegung: in Asien oder Indien sitzen Menschen häufig in tiefer Hocke, als natürliche Ruhe- oder Arbeitshaltung. In der Geschichte des Kraftsports tauchen Kniebeugen unter anderem im späten 19. Jahrhundert auf, parallel zur aufkommenden „Physical Culture“-Bewegung, die Training, Körpermechanik und freie Bewegung propagierte. Eine historische Wegmarke ist Henry „Milo“ Steinborn, der als eine Schlüsselfigur gilt, den Barbell-Squat populär zu machen: Er führte den schwer beladenen Squat ohne Hilfsmittel durch und inspirierte damit spätere Generationen von Kraftsportlern. So ist der Squat eine Evolution vom natürlichen Bewegungsmuster zum gezielt trainierten Kraftmittel. Welche Muskulatur spricht der Squat an? Beim Squat arbeiten Agonisten, Synergisten und Stabilisationselemente eng zusammen. Hauptakteure (Agonisten): Quadrizeps (vastus lateralis, medialis, intermedius, rectus femoris) Gluteus maximus (zum Teil posteriorer Anteil des Adduktors) Synergisten / Mithelfer: Hamstrings (biceps femoris, semitendinosus, semimembranosus) Erector spinae Wadenmuskulatur (Gastrocnemius, Soleus) Adduktoren, insbesondere der hintere Anteil Stabilisatoren / Rumpf / Core: Tief liegende Bauchmuskeln (Transversus abdominis) Multifidi Schrägmuskulatur Muskelgruppen des Beckenbodens All diese stabilisieren die Wirbelsäule und wirken Rumpfbeugekräften entgegen. Squat als statische Ausführung: Beinachse & Rumpfstabilisierung Wenn du zum Beispiel in der „Haltung halten“-Phase verweilst, also statisch die Beinhaltung hältst (z. B. beim Isometrischen Squat), greifen folgende Mechanismen: Beinachse: Knie, Hüften und Sprunggelenke müssen in einer sauberen Achse stehen. Jeder Kipppunkt (z. B. Kniewin in oder außen) belastet das Gelenk ungleichmäßig. Statische Rumpfkraft: Der Rumpf muss gegen das nach vorne-kippende Moment (durch die Körpermasse plus Last) mit stabilisierender Aktivität entgegen wirken. Das heißt: die tiefe Bauchmuskulatur und Rückenmuskeln spannen isometrisch, um Flexionskräfte auszubalancieren. Druckverteilung in Bein und Fuß: Dass du spürst, wie das Gewicht über die Ferse, Mittelfuß oder auch zum Vorderfuß kontrolliert wird — das gehört zur kinästhetischen Wahrnehmung, die mittrainiert wird. In der statischen Phase wird nicht so sehr Kraft erzeugt wie Energie gehalten — doch das erfordert ein sehr feines Zusammenspiel von Muskeln, Faszien und neurologischen Mustern. Dynamischer Squat: Muskelaktivierung in den Phasen Der dynamische Squat lässt sich grob in zwei Hauptphasen unterteilen: Exzentrische Phase (Absenken / Hinsetzen) Konzentrische Phase (Aufstehen / Explosives Hochdrücken / Absprung) Exzentrische Phase (hinsetzen, Landung, Gewichte absetzen) Die Beinkette (Quadrizeps, Hamstrings, Gluteus) arbeitet exzentrisch, um die Bewegung kontrolliert zu bremsen. Das heißt: die Muskelfasern werden gedehnt unter Last, sie steuern das Abbremsmoment. Insbesondere Quadrizeps leisten viel Arbeit gegen das Beugen im Knie, Gluteus und Hams helfen unter Spannung, um das Becken stabil zu führen. Konzentrische Phase (Aufstehen, Absprung, schwere Lasten heben) Hier kommt der „Power“-Moment: Die Beinkette kontrahiert aktiv, um Hüfte, Knie und Sprunggelenk zu strecken. Gluteus maximus wird stark aktiv, um das Hüftgelenk durchzuziehen. Quadrizeps helfen, das Knie zu strecken, besonders in der unteren Zone. Bei Sprüngen oder Absprüngen kommt noch eine explosive Komponente hinzu — es wird über das Dehnen zur Verkürzung (Stretch-Shortening Cycle) gearbeitet, Energie zwischengespeichert und abgegeben. In schweren Lasthebe-Situationen ist der Squat ein Mittel, Kraft über mehrere Gelenke gleichzeitig aufzubauen und zu übertragen. Zahlreiche Studien zeigen, dass unterschiedliche Squat-Techniken (z. B. Variation der Fußstellung, Stellung des Rumpfes) die Aktivierung von Quadrizeps, Gluteus und Rücken unterschiedlich beeinflussen. Zum Beispiel konnte in einer Studie gezeigt werden, dass beim High-Bar-Squat die Aktivität von Rectus femoris, vastus medialis und unteren Rücken etwas höher ist als beim Low-Bar-Squat. Komplexe Aktivität der Bein-Rumpf-Kette (z. B. Rudern, Laufen, Landungen) Squats trainieren nicht isoliert Muskeln, sondern Bewegungsmuster, die sich in vielen Alltags- und Sportbewegungen widerspiegeln. Beim Rudern etwa ist die Bein-Rumpf-Verbindung entscheidend: Der Krafteinsatz startet oft über Bein- und Hüftstreckung, überträgt sich über das Becken und den Rumpf in den Oberkörper. Beim Laufen und Springen: Ein guter Squat stärkt die Fähigkeit, Schub zu geben (Push-off), Landungen zu dämpfen und das Rumpfzentrum stabil zu halten — also die Verkettung von Fuß über Bein bis zum Oberkörper. Bei Landungen und harten Lastenbewegungen ist es entscheidend, wie gut das System exzentrisch kontrolliert, den Impuls ableitet und sofort wieder stabil ist. Gerade diese ganzheitliche Kette unterscheidet den „guten Squat“ vom reinen Muskeltraining: Es geht um Koordination, Timing und Integration. Bewegungsmuster & Neurozentral gespeicherte Steuerung Ein wesentlicher Punkt, den man im Training oft übersieht: Bewegungen sind keine isolierten Muskelaktionen oder einfache Gelenkroutinen, sondern komplexe Bewegungsmuster, die im Gehirn gespeichert sind. Dein zentrales Nervensystem weiß, wie ein Squat „sich anfühlen“ soll — es orchestriert Muskelgruppen, sensorische Rückkopplung und Timing. Wenn du nur einzelne Muskeln trainierst, greifst du nur an einer Schraube — das System bleibt limitiert. Trainierst du aber Bewegungen im Ganzen (mit Fokus auf Empfindung, Endpunkt, Fluss), dann lernst du, Bewegungen besser zu steuern, ineffiziente Teilbewegungen zu glätten und Hemmungen aus dem System zu nehmen. Darum gehört der Squat in dein tägliches Übungsprogramm — nicht zwingend schwer, aber konsequent in Technik, Wahrnehmung und Haltung. Mentale Einstellung, Schwerkraft fühlen & Bewegungsfluss Wenn du eine Bewegung machst, sei dir bewusst: Du interagierst mit der Schwerkraft. Du spürst das Gewicht, die Richtung der Kraft, den Fluss. Die mentale Einstellung ist entscheidend: „Ich führe die Bewegung, ich fühle das Gewicht, ich steuere bewusst.“ Fließende Bewegungen bedeuten: nicht abrupt stoppen, sondern Übergänge harmonisch gestalten — durch den Endpunkt hindurch, nicht dagegen. Gerade der Squat lehrt uns Achtsamkeit auf Gewicht, Spannung und Entspannung — vom tiefsten Punkt zurück in die Streckung, in einem kontrollierten, bewussten Ablauf. Wer das verinnerlicht, trainiert nicht nur Muskeln, sondern Körperintelligenz. Der Squat im täglichen Übungsprogramm & Rolle der Osteopathie Der Squat gehört in jeden sinnvollen Trainings- oder Bewegungstag. Schon wenige Wiederholungen, sauber ausgeführt, wirken nachhaltig auf Mobilität, Kraft und Körpergefühl. Doch manchmal „blockiert“ etwas: Organische Verspannungen, Nervenirritationen, Faszienrestriktionen oder Bewegungshemmungen, die nicht nur in Muskeln, sondern im großen System sitzen — hier kommt die Osteopathie ins Spiel: Ein osteopathischer Blick analysiert nicht nur Muskeln und Gelenke, sondern die Integration von Organen, Nerven, Faszien. Wenn z. B. ein Organ (z. B. Zwerchfell, Darm) Bewegung hemmt, kann das über Faszien und Nervenketten auf Bein-Rumpf-Muster einwirken. Eine osteopathische Behandlung kann solche Hemmungen lösen, Bewegungsfreiheit zurückbringen und das Trainingstechnik verbessern. Also: Kannst du nicht optimal squat-technisch entwickeln, kann eine osteopathische Begleitung helfen, Ursache statt Symptom zu behandeln. Fazit Der Squat ist mehr als eine Kraftübung — er ist eine Schule des Bewegens. Sein Ursprung liegt in der natürlichen menschlichen Körpersprache, seine heutige Popularisierung im Kraft- und Bewegungsdrang des Menschen. In seinen statischen und dynamischen Phasen aktiviert er das gesamte System: Beinachsen, Rumpfstabilisation, exzentrische und konzentrische Arbeit, Verkettung mit funktionellen Bewegungen. Doch Sinn liegt nicht allein in der Muskeltätigkeit, sondern im Bewegungsmuster selbst — im Gehirn gespeicherter Steuerungsarchitektur. Darum sollte der Squat Teil deines täglichen Programms sein — mit einer Haltung der Aufmerksamkeit, Sensibilität und Achtsamkeit gegenüber der Schwerkraft. Und wo es systemisch klemmt, kann eine osteopathische Begleitung helfen, verborgene Bremsen zu lösen und echte Bewegung wieder zu ermöglichen.

  • Krankheit als Entwicklung eines Individuums sehen

    "Ich habe einen Infekt bekommen" "Ich habe einen Bandscheibenvorfall bekommen" "Ich habe einen Tumor bekommen .... Diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen und verdeutlicht einmal mehr in welchem Dilemma wir stehen: Krankheit und Symptome werde in vielen Fällen als Zustand angesehen. Als sei eine Krankheit oder ein Symptom ein Gegenstand, der dort drüben steht und wir hier. Die Krankheit bewegt sich auch uns zu und fängt uns ein. Nun tragen wir diese Krankheit als eine Art Rucksack mit uns und versuche sie loszuwerden. Krankheit wird als externe, unabhängige Sache der Natur verstanden, die besiegt werden muss. Ergo müssen bei einer Erkältung die Viren bekämpft werden. Hier kann man die Krankheit als Entwicklung sehen: Eine andere Formulierung hierzu könnte auch sein: "Nachdem ich mich wochenlang nicht um meine Gesundheit gekümmert habe, jeden Tag 10 Stunden gearbeitet habe, permanent Stress hatte, keine Zeit zu essen hatte, wenig Schlaf hatte, wurde ich krank . Die Krankheit ist Teil von mir geworden, weil ich mich nicht um mich gekümmert habe." Gabor Maté beschreibt diesen Zusammenhang in seinem Buch sehr eindringlich: " Wir können unsere Krankheiten nicht verstehen, wenn wir nicht bereit sind, unseren Lebensstil, unsere Beziehungen, unsere Emotionen und tieferen Überzeugungen zu hinterfragen. Krankheit ist keine zufällige Fehlfunktion, sondern oft eine sinnvolle Reaktion des Körpers auf anhaltenden Stress und emotionale Belastung." Wir sind aktiv an jeder Krankheit als Entwicklung von uns mitbeteiligt, wir dürfen anfangen mit unseren Symptomen zu arbeiten und zu hinterfragen, was hinter der Spitze des Eisberges alles in Erscheinung kommt und warum wir so denken und handeln, wie wir es eben tun. Dabei sind nicht nur körperliche Prozesse von Bedeutung, sondern unser komplexes neurologisches, immunoligisches, psychisches, soziales, emotionales, epigenetisches und spirituelles Dasein. Wir sind nicht zerlegbar in einzelne organische und systemische Teile. Allein anatomische Zusammenhänge erlauben uns keine derartige Denkweise. Die Anheftung unseres Atemmuskels an der Lendenwirbelsäule, die Verbindung der harten Rückenmarkshaut vom Hinterhaupt zum Kreuzbein und die muskuläre Verbindung wie die des M. omohyodieus von dem Zungenbein zum Schulterblatt sind nur eine von zigtausenden bindegewebigen, nervalen Zusammenhänge, die eine solche Denkweise stützen. Folgende Studie wurde in den USA zum Gebärmutterhalskrebs durchgeführt: Bei Frauen mit Unregelmäßigkeiten am Gebärmutterhals wurde im Zusammenhang eines Pap-Abstrich eine Gewebeprobe durchgeführt. Signifikant stieg dazu für Frauen die Wahrscheinlichkeit an Gebärmutterhalskrebs zur erkranken an, wenn sie jahrelang vor Feststellen der Diagnose deprimiert waren (4). Unser Körper und der Geist erinnern sich ein Leben lang an vergangene Traumen, wenn sie auch noch so lange her sind: der Körpergeist vergisst nichts! Auch ein operativer Eingriff verspürt unser Körper als Trauma. Die für heutiges Empfinden harmlose Blinddarm-OP (medizinisch wird der Wurmfortsatz und nicht der Blinddarm entfernt) bleibt auch nach 10 Jahren für die Wahrnehmung und das Bewusstsein unseres Ichs ein Leben lang präsent. Dem jahrelang Bedeutungslosikeit zugeschriebenem Wurmfortsatz wird nach dem neuestem Stand der Wissenschaft eine hohe immunologische Funktion zugeschrieben. Eine Art Zufluchtsort für Darmbakterien, die maßgeblich für die Erneuerung der Darmflora zuständig ist. Des Weiteren ist der Wurmfortsatz durch das darin liegende Lymphgewebe mit einer hohen Zahl von weißen Blutzellen besiedelt, die eine zentrale Funktion bei der Abwehr von Infektionen haben (Berry 1900). Maté führt weiter aus: " Die Trennung zwischen Körper und Geist ist eine Illusion. Unsere Gedanken und Emotionen haben direkte Auswirkungen auf unser Nervensystem, unser Immunsysten und unsere Hormonregulation. Wenn wir unsere emotionale Wunden ignorieren, wird unser Körper oft für uns sprechen - durch Symptome und Krankheiten." Das Prinzip der Salutogenese (Gesundwerdens) geht auf den amerikanisch-israelitischer Medizinsoziologen Aaron Antonovsky (1923- 1994) zurück, das sich mit der Frage beschäftigt, welche Ressoucen und Resilienzen haben wir als Individuen, um uns gesund zu halten. Danach ist eine Krankheit oder ein Symptom, kein reines, isoliertes unabhängiges Problem oder als Defekt zu sehen, sondern als Teil des Ganzen mit uns verbunden. Er stellte sich die Frage: Was erhält uns als Individuen gesund? Dabei sind wie oben schon erwähnt sind Gesundheit und Krankheit keine "Zustände", sondern wir befinden uns permanent in einem Fluss zwischen beiden Polen. Es ist kein reines Versagen auf körperlicher Ebene, sondern vielmehr eine Reaktion auf Belastungen mit dem Organismus umzugehen. Damit steht eine Art "Entwicklung" hinter dem Prozess des Krankswerden. Zentraler Bestandteil davon ist das Kohärenzgefühl: die individuelle Fähigkeit, mit Herausforderungen, Stress und Krankheiten umzugehen. Ist das KohärenzGefühl entsprechend hoch werden auch schwierige Situationen mit Krankheiten oder Symptomen als bewältigbarer und positiver empfunden. Wir sind psychisch stabiler und gesünder. "Krankheit ist eine Folge von generationsübergreifendem Leid, von sozialen Bedingungen, von kultureller Konditionierung, von Kindheitstraumata, von einer Physiologie, die die Hauptlast der Belastungen und der emotionalen Geschichte eines Menschen in Wechselwirkung mit seiner physischen und psychischen Umgebung trägt." Die Erkenntnisse von Gabor Maté und die angeführten Studien verdeutlichen eindrucksvoll, wie eng unser körperliches Wohlbefinden mit unserem emotionalen und psychischen Zustand verknüpft ist. Sie unterstreichen die Notwendigkeit, Krankheiten nicht isoliert zu betrachten, sondern den gesamten Menschen mit all seinen Lebensumständen einzubeziehen. Indem wir lernen, auf die Signale unseres Körpers zu hören und die tieferliegenden Ursachen von Symptomen zu hinterfragen, können wir einen ganzheitlichen Heilungsprozess fördern und zu einem umfassenderen Verständnis von Gesundheit gelangen. __________________________________________ Quellen: Dr. Gabor Maté: Vom Mythos des Normalen. Wie unsere Geellschaft uns krank macht und traumatisiert - Neue Wege zur Heilung S. 109f, 111-115, https://flexikon.doccheck.com/de/Salutogenese gesehen am 07.04.2025 https://flexikon.doccheck.com/de/Resilienz gesehen am 07.04.2025 https://flexikon.doccheck.com/de/Aaron_Antonovsky gesehen am 07.04.2025 (4) Psychotherapeutic Treatment of Cancer Patients, New York: Routledge 1990, 45 Deborah Talbot: Whats it like living with Lupus, in Elemental, 13.7.2018

  • Das süße Gift - Wie Zucker die Gesundheit beeinflusst

    „Süßigkeiten müssen keinen Nutzen haben, deswegen sind sie ja Süßigkeiten.“ – Charlie und die Schokoladenfabrik „Oft genügt ein Löffel Zucker, und was bitter ist, wird süß.“ – Mary Poppins Man könnte denken, die Zuckerindustrie hätte diese Sätze geschrieben Zucker galt lange als gesund. Wenn man sich die Werbung von damals anschaut, wurde zum Beispiel Nutella mit dem Slogan „Nutella enthält viel Eiweiß, Kalzium und Eisen“  vermarktet. In den 1950er- und 1960er-Jahren gab es noch keine Studien, die beweisen konnten, dass Zucker schädlich ist. Um weiterhin gut zu verdienen, suchte die Zuckerindustrie nach einem anderen „Bösewicht“, den sie für die Erkrankungen der Menschen verantwortlich machen konnte – und wurde schnell fündig. Gesättigte Fettsäuren und eine fettreiche Ernährung wurden als die Hauptverursacher ungesunder Ernährung deklariert. Dies war die Geburtsstunde der Light-Produkte. In den Supermärkten stapelten sich plötzlich fettreduzierte Lebensmittel. Das eigentlich enthaltene Fett wurde jedoch einfach durch Zucker ersetzt. So konnten die großen Zuckerproduzenten noch mehr Geld verdienen, während die Menschen dazu verleitet wurden, unbewusst mehr Zucker zu konsumieren. Zucker ist ein billiger Zusatzstoff, der Lebensmitteln Textur, Farbe und Geschmack verleiht und sie zudem länger haltbar macht. Produkte werden bewusst süßer gemacht, um die Kaufbereitschaft der Kunden zu steigern. Aber warum ist das so? Die Gründe liegen in unserer Evolution. In der Steinzeit gab es einfache Regeln: Alles, was bitter schmeckte, galt als giftig. Saures wurde als unreif oder verdorben angesehen, während Süßes als unbedenklich und nahrhaft galt. Zucker verleitet uns außerdem dazu, mehr zu essen – selbst dann, wenn wir längst satt sind. Deshalb kommt das Dessert immer am Schluss. Wer kennt ihn nicht, den berühmten „Dessert-Magen“ Dieses Wissen macht sich die Zuckerindustrie gezielt zunutze. Schätzungen zufolge enthalten heute rund 80 % aller Lebensmittel im Supermarkt Zucker – das entspricht etwa vier von fünf Produkten. Der durchschnittliche Deutsche isst pro Jahr etwa 33 kg Zucker, obwohl die WHO maximal 18 kg empfiehlt. Die Folgen sind alarmierend: Heute gelten in Deutschland rund 50 % der Menschen als übergewichtig, ein Viertel sogar als adipös. Die weltweiten Folgekosten der Fettleibigkeit im Gesundheitssystem werden auf ca. 60 Milliarden Euro geschätzt – eine regelrechte Pandemie des Übergewichts. Was macht Zucker mit unserem Körper? Unser Körper benötigt Energie, die er aus Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten gewinnt. Zucker gehört zu den Kohlenhydraten und besteht aus zwei Molekülen: 1. Fructose  (Fruchtzucker) 2. Glukose  (Traubenzucker) Glukose ist lebensnotwendig – aber wir müssen keine Süßigkeiten essen, um sie zu bekommen. Unser Körper kann Glukose aus fast allen Lebensmitteln gewinnen, darunter Gemüse, Fleisch und Nudeln. Der einzige Vorteil von reinem Zucker ist, dass er schnell ins Blut geht und kurzfristig Energie liefert. Dies kennen wir als Zuckerrausch . Doch sobald dieser Effekt nachlässt, fühlen wir uns müde und abgeschlagen. Die Nachteile von zu viel Zucker Zu hoher Zuckerkonsum erhöht das Risiko für: • Karies • Übergewicht und Adipositas • Herz-Kreislauf-Erkrankungen • Typ-2-Diabetes • Schlaganfälle Aber auch für schlanke Menschen ist Zucker gefährlich. Der Mediziner und Ernährungsexperte Peter von Philipsborn  erklärt: „Zucker ist ein schnell resorbierbares Kohlenhydrat, das im Darm sehr schnell aufgenommen wird und direkt ins Blut schießt. Dadurch stellt es eine enorme Belastung für den Stoffwechsel dar. Insbesondere Zucker in flüssiger Form – etwa in Softdrinks oder Limonade – erhöht nachweislich das Diabetes-Risiko, unabhängig vom Körpergewicht. Zudem liefert Zucker häufig ‚leere Kalorien‘, also viele Kalorien ohne wertvolle Nährstoffe. Wer viele Fertiggerichte und Softdrinks konsumiert, hat weniger Platz für gesunde Lebensmittel.“ Zucker steht zudem im Verdacht, Hirnkrankheiten wie Demenz  oder Alzheimer  zu begünstigen. Auch Krebszellen ernähren sich bevorzugt von Zucker. Der Weg zurück zur natürlichen Ernährung Wir sollten uns wieder auf traditionelle und natürliche Lebensmittel konzentrieren. Fettreduzierte Produkte enthalten oft versteckte Zuckerzusätze – deshalb ist es besser, zu unverarbeiteten Lebensmitteln zu greifen. Besonders wichtig ist es, Kindern eine gesunde Ernährung ohne übermäßigen Zuckerkonsum beizubringen. Wer als Kind viel Zucker isst, wird diese Gewohnheit mit hoher Wahrscheinlichkeit auch als Erwachsener beibehalten. Eine hochwertige, nährstoffreiche Ernährung wirkt sich nicht nur positiv auf unsere eigene Gesundheit aus, sondern beeinflusst auch das Zellwachstum und die DNA – und damit die Gesundheit unserer zukünftigen Kinder. _______________________________________________________ Quellen: Shanahan, Catherine: Zellnahrung-Warum unsere Gene natürliche Lebensmittel brauchen, 2018, riva Verlag, München S. 263, 210, 326, 345, 254, 268, 248, 462, 414f https://www.zuckerverbaende.de/wp-content/uploads/2023/10/WVZ_Studienservice_Oktober23_Prinz-zum-Einfluss-einer-suessen-Ernaehrungsweise.pdf gesehen am 3.3.25 https://www.foodwatch.org/de/marktcheck-so-ueberzuckert-sind-kinder-fruchtsnacks gesehen am 3.3.25 https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/coca-cola-coca-cola-zahlte-millionen-an-deutsche-gesundheitsforscher-1.2845460 gesehen am 3.3.25 https://www.spiegel.de/spiegel/wie-die-zuckerlobby-die-wahrheit-ueber-zucker-verschleiert-a-1201921.html gesehen am 3.3.25 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30447790/ gesehen am 3.3.25 https://www.tagesspiegel.de/wissen/63-milliarden-euro-jahrlich-fur-die-behandlung-der-folgen-von-adipositas-4136971.html gesehen 3.3.25 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/14295501/ gesehen am 3.3.25 https://www.nature.com/articles/nutd201543 gesehen am 3.3.25 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/5339697/ gesehen am 3.3.25 https://www.rtl.de/cms/oekotest-warnt-so-viel-zucker-versteckt-sich-in-unseren-lebensmitteln-4287744.html gesehen am 3.3.25

  • Tipps für gesunden Schlaf

    Besser schlafen: Praktische Tipps für erholsameren Schlaf In den Industrienationen wie Deutschland schlafen zwei Drittel der Erwachsenen nicht die empfohlenen acht Stunden pro Nacht (1). Doch Schlafmangel hat gravierende Folgen: In den USA stirbt jede Stunde ein Mensch bei einem Verkehrsunfall, der mit Müdigkeit in Zusammenhang steht. Auch in Deutschland sind 20 % der Verkehrsunfälle auf Schlafmangel zurückzuführen. Wann haben Sie das letzte Mal wirklich erholsam geschlafen? Hier finden Sie die besten Tipps für besseren Schlaf und mehr Wohlbefinden: 1. Regelmäßige Schlafenszeiten einhalten Gehen Sie jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett – auch am Wochenende. Ein Wecker, der ans Zubettgehen erinnert, ist oft hilfreicher als der morgendliche Wecker, der uns unsanft aus dem Tiefschlaf reißt. Verlorener Schlaf kann nicht durch Ausschlafen am Wochenende nachgeholt werden (2). Im Gegenteil: Wer am Wochenende lange schläft, hat am Montagmorgen wieder Probleme mit dem frühen Aufstehen – ein Teufelskreis, der mit einer festen Routine durchbrochen werden kann. 2. Koffein und Nikotin meiden Kaffee, Cola, schwarzer, grüner oder Mate-Tee sowie Energy-Drinks enthalten Koffein, das als Stimulans wirkt und den Schlaf hinauszögert. Koffein blockiert den Botenstoff Adenosin, der unser natürliches Schlafbedürfnis steuert. Die Halbwertszeit von Koffein liegt bei fünf bis sieben Stunden (3) – eine Tasse Kaffee um 17 Uhr bedeutet also, dass um 22 Uhr noch die Hälfte des Koffeins im Körper ist! Auch Nikotin wirkt anregend und stört den Schlaf erheblich. 3. Leichte Kost am Abend – Alkohol meiden Schwere Mahlzeiten und Alkohol stören die nächtliche Regeneration. Alkohol mag müde machen, doch er verhindert tiefen, erholsamen Schlaf und führt zu häufigem Erwachen. Stattdessen eignen sich eine Handvoll Nüsse, Vollkornprodukte oder eine Banane – sie enthalten Tryptophan, eine Vorstufe des Schlafhormons Melatonin (4). 4. Kein langer Mittagsschlaf Ein kurzer “Powernap” von maximal 25 Minuten kann hilfreich sein, aber nur bis 15 Uhr. Wer zu spät schläft, riskiert Einschlafprobleme am Abend. Auch wenn manche behaupten, mit sechs Stunden Schlaf auszukommen, zeigen Studien, dass dies langfristig nicht ausreicht. Tatsächlich ist es wahrscheinlicher, vom Blitz getroffen zu werden, als dauerhaft mit wenig Schlaf gesund zu bleiben (1:12.000 Wahrscheinlichkeit). 5. Blaulichtquellen vermeiden Handys, Tablets und Fernseher sollten mindestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen nicht mehr genutzt werden. Das blaue Licht dieser Geräte hemmt die Melatoninproduktion und täuscht dem Körper vor, es sei noch früher Abend. Studien zeigen, dass starker LED-Licht-Konsum vor dem Schlafengehen zu weniger tiefem Schlaf führt – die Folge: Man fühlt sich am nächsten Tag unausgeruht. 6. Die richtige Schlafumgebung schaffen Die optimale Raumtemperatur zum Schlafen liegt bei etwa 18 °C. Während des Schlafens sinkt die Körperkerntemperatur um etwa 1 °C – dieser Prozess wird durch eine kühle Umgebung gefördert. Ein warmes Bad oder eine heiße Dusche vor dem Zubettgehen hilft dabei, indem das Blut an die Hautoberfläche transportiert wird und die Körpertemperatur anschließend absinkt. (5) Fazit: Schlaf ist der Schlüssel zur Gesundheit Fast jede Tierart zeigt Schlafverhalten – von Bienen bis hin zu Eisbären. Auch für den Menschen ist gesunder Schlaf essenziell und bildet neben Bewegung und Ernährung eine der wichtigsten Säulen der Gesundheit. Probieren Sie heute Abend diese Tipps aus und spüren Sie morgen einen Unterschied! __________________________________________________ Quellen: (1) https://www.chronocollege.de/empfohlene-schlafdauer-national-sleep-foundation/?utm_source=chatgpt.com (2) https://science.orf.at/v2/stories/2967507/?utm_source=chatgpt.com (3) https://www.efsa.europa.eu/sites/default/files/corporate_publications/files/efsaexplainscaffeine150527de.pdf?utm_source=chatgpt.com (4) st. Onge, M.P., Roberts A., Shechter, A., Chaudhury, A.R.: Fiber and saturated fat are associated with sleep arousals and slow Wave sleep. Jounrnal of clinical sleep mmidicine 12 (2016): 19-24 (5) Prof. Dr. med. Walker, M: Das große Buch vom Schlaf, Goldmann, 2018: S. 44ff, 360ff, 375, 397f, 465ff

  • Osteopathie meets Kiefergelenk (CMD)

    Das Kiefergelenk – Ein faszinierendes Zentrum für Körper und Gesundheit Das Kiefergelenk (Articulatio temporomandibularis) ist eines der komplexesten Gelenke des menschlichen Körpers. Nicht umsonst gibt es hierfür ein eigenes medizinisches Fachgebiet: die Zahnmedizin. Doch auch in der Osteopathie spielt das Kiefergelenk eine spannende Rolle, da es die Verbindung zwischen dem craniosacralen System (Schädel und Nervensystem) , dem parietalen System (Muskeln/Gelenke)  und dem viszeralen System (Organe)  darstellt. Mit anderen Worten: Das Kiefergelenk ist ein Schlüsselpunkt in der Osteopathie, welche sich als CMD äußern kann. Hier wirken strukturelle, neurologische und funktionelle Systeme des Körpers zusammen. Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) – Wenn das Kiefergelenk aus dem Gleichgewicht gerät Der Begriff Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)  beschreibt eine Vielzahl von Fehlfunktionen des Kiefergelenks. Diese können vielfältige Beschwerden verursachen, darunter: • Zähneknirschen ( Bruxismus ), • Kopfschmerzen oder Migräne, • Nackenbeschwerden, • Schmerzen im Kieferbereich, • Kreuz- oder Überbissprobleme. Es handelt sich um eine funktionelle Störung  des Schädels ( Cranium ) und des Unterkiefers ( Mandibula ). Da der Begriff keine klare Abgrenzung zu spezifischen Krankheitsbildern erlaubt, ist eine präzise Diagnose durch erfahrene Osteopathen entscheidend. Anatomie des Kiefergelenks – Eine technische Meisterleistung Das Kiefergelenk besteht aus zwei Knochen: dem Unterkiefer (Mandibula)  und dem Schläfenbein (Os temporale) . Dazwischen befindet sich der sogenannte Diskus , eine Art „Unterlegscheibe“, die für eine reibungslose Bewegung sorgt und die beiden Knochen kongruent macht. Das Gelenk ermöglicht drei Bewegungsarten: 1. Öffnen und Schließen  des Mundes (z. B. beim Sprechen oder Essen), 2. Seitliches Verschieben  für das Zerkleinern der Nahrung, 3. Nach-vorne- und Zurück-Schieben  (z. B. beim Doppelkinn). Die Rolle der Muskulatur – Wo Kraft und Beweglichkeit zusammentreffen Das Kiefergelenk wird von mehreren Muskelgruppen unterstützt: • Kieferöffnende Muskulatur : Diese sitzt unterhalb des Unterkiefers und verbindet sich mit Schlüsselbein, Brustbein und Schulter. Der Musculus omohyoideus  beispielsweise hält die Halsfaszie beweglich und verläuft zwischen dem Zungenbein ( Hyoid ) und dem Schulterblatt. • Kieferschließende Muskulatur : Dazu gehören die kräftigen Kaumuskeln. Der Musculus masseter , einer der stärksten Muskeln des Körpers, kann auf 1 cm² eine Kraft von bis zu 133 kg  ausüben. Das Kiefergelenk und die Verdauung – Ein perfektes Zusammenspiel Das Kiefergelenk ist der Beginn des Verdauungstrakts. Mit dem Öffnen des Mundes  wird die Nahrung aufgenommen, während das Malen und Zerkleinern  die Nahrung für die Verdauung vorbereitet. Die Zunge schiebt die Nahrung schließlich in den Rachen, wo sie geschluckt und in den Magen transportiert wird. Die Osteopathie sieht das Kiefergelenk daher nicht nur als rein mechanisches Gelenk, sondern verbindet es mit dem viszeralen System , das für die Funktion der inneren Organe verantwortlich ist. Das craniosacrale System und das Kiefergelenk Aus craniosacraler Sicht  spielt das Kiefergelenk eine zentrale Rolle. Der Unterkiefer ( Mandibula ) verbindet zwei Schädelknochen und ist über die Schädelnähte mit den anderen Knochen des Schädels verbunden. Diese Nähte sind plastisch und enthalten feine Nerven, Gefäße und Rezeptoren. Die Beweglichkeit des Kiefergelenks hat einen direkten Einfluss auf den craniosacralen Rhythmus  – eine subtile Bewegung von Schädel und Kreuzbein, die für den Fluss der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit entscheidend ist. Dysfunktionen im Kiefergelenk können diesen Rhythmus stören und zu Symptomen wie: • Tinnitus, • Schwindel, • Kopfschmerzen oder • Problemen mit der Körperhaltung führen. Ein Beispiel: Die Ohrtrompete (Tuba auditiva) , die sich im Schläfenbein befindet, kann bei Kieferfehlfunktionen beeinträchtigt werden. Das Kiefergelenk wirkt dann wie ein Stoßdämpfer für das Hörsystem – Dysfunktionen können zu Tinnitus oder Ohrgeräuschen führen. Das psychosomatische Kiefergelenk – Die emotionale Verbindung Das Kiefergelenk steht nicht nur für mechanische Funktion, sondern auch für psychische Prozesse. Psychosomatisch wird das Kiefergelenk oft mit unterdrückter Wut oder Aggression  in Verbindung gebracht. Zähneknirschen in der Nacht kann ein Zeichen dafür sein, dass der Wunsch, sich „durchzubeißen“, tagsüber nicht erfüllt wurde. Ein Sprichwort bringt dies auf den Punkt: „ Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. “ Der Zustand der Zähne spiegelt oft Vitalität und Gesundheit wider – beim Menschen genauso wie beim Pferd. Wie Osteopathie das Kiefergelenk behandelt In der Osteopathie beginnt die Behandlung des Kiefergelenks mit einer manuellen Diagnostik . Hierbei werden folgende Strukturen untersucht: • Muskulatur : Spannungen oder Dysfunktionen, • Gelenke : Beweglichkeit und Position des Kiefergelenks, • Nerven und Gefäße : Versorgung der umliegenden Strukturen. Je nach Befund umfasst die Behandlung Techniken aus dem: 1. Parietalen System  (Muskeln, Gelenke, Knochen), 2. Viszeralen System  (Verdauung und innere Organe), 3. Craniosacralen System  (Schädel, Nerven, Faszien). Fazit: Das Kiefergelenk als Schlüssel für ganzheitliche Gesundheit Das Kiefergelenk ist mehr als ein Werkzeug zum Kauen – es ist ein zentrales Bindeglied zwischen Körper und Geist. Mit seiner Verbindung zu Schädel, Verdauung und Nervensystem spielt es eine Schlüsselrolle in der Osteopathie. Werden Fehlfunktionen frühzeitig erkannt und behandelt, können nicht nur Schmerzen und Verspannungen gelindert werden, sondern auch die Selbstregulation des Körpers unterstützt werden. In meiner Praxis in Sigmaringen verdient die ganzheitlichen Therapie für das Kiefergelenk daher besondere Aufmerksamkeit – denn manchmal reicht schon ein „bisschen“ Balance für mehr Gesundheit. ___________________________________________________________ Quellen: Prometheus: Kopf, Hals und Neuroanatomie: Michael Schünke , Erik Schulte , Udo Schumacher , Hrsg. 6., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag KG; 2022 S.154-164 Kiefergelenk- TMG - Craniomandibuläre Dysfunktion: Dieter Vollmer, Konstanz https://www.osteopathicresearch.com/files/original/7ff034aa5478eff13d265c916da3d7293d70d2f1.pdf gesehen am 10.02.205 S. 20-23 https://studyflix.de/allgemeinwissen/starkster-muskel-im-korper-7073 gesehen am 10.02.2025

  • Warum Sit-ups Training keine gute Wahl ist

    Sit-ups gehören zu den bekanntesten Übungen, um die Bauchmuskulatur zu trainieren. Sie scheinen einfach und effektiv zu sein, doch bei genauerem Hinsehen zeigen sich einige Nachteile, die sie zu einer fragwürdigen Wahl machen – besonders wenn es um die langfristige Gesundheit geht. Aber warum genau sollte Sit-ups Training aus deinem Übungsreparteur verschwinden? Ein Blick auf die Anatomie und Funktion des geraden Bauchmuskels (M. rectus abdominis) liefert die Antwort. Die Anatomie des geraden Bauchmuskels – mehr als nur Rumpfbeugen Der M. rectus abdominis verläuft vertikal entlang der Körpervorderseite und verbindet die Rippen mit dem Schambein. Er ist durch Sehnenplatten segmentiert und wird von der Linea alba, einer zentralen Bindegewebsstruktur, geteilt. Während Sit-ups die Rumpfbeuge (das Aufrichten des Oberkörpers) betonen, erfüllt der Muskel eine Vielzahl wichtiger Funktionen: • Unterstützung der Bauchpresse, etwa beim Stuhlgang, Urinieren oder der Geburt. • Stabilisierung des Bauchraums und Unterstützung bei der Atmung. • Regulierung des Drucks im Bauchraum, der sich auf die inneren Organe auswirkt. Warum Sit-ups problematisch sind Bei der Ausführung von Sit-ups entsteht ein enormer Druck auf den Bauchraum. Diese Spannung überträgt sich auf die darunterliegenden Bindegewebsschichten, wie die Fascia transversalis und das Bauchfell (Peritoneum). Dadurch können die Eigenbewegungen der Organe gestört werden, was zu folgenden Problemen führen kann: • Verdauungsbeschwerden  wie Verstopfungen. • Verspannungen im Beckenboden , die sogar Inkontinenz begünstigen können. • Rückstau im venösen Kreislauf , was die Funktion der Leber beeinträchtigen kann. Zudem wirken die entstehenden Kräfte entlang der gesamten Körpervorderseite – von der Halsmuskulatur bis zu den Füßen. Das kann Beschwerden wie Kopfschmerzen, Kieferprobleme, Tinnitus oder Schwindel auslösen. Falsches Bauchmuskeltraining – mehr Schaden als Nutzen Ein weiteres Problem bei Sit-ups Training ist die ungleiche Belastung der Muskulatur. Der Bauchmuskel arbeitet in direkter Synergie mit der Rückenmuskulatur (M. erector spinae). Wenn der Rücken durch Verspannungen oder Fehlhaltungen – oft bedingt durch langes Sitzen oder Übergewicht – eingeschränkt ist, kann er den notwendigen Ausgleich nicht leisten. Dies führt zu: • Schmerzen im unteren Rücken. • Verletzungen durch falsche Belastung. • Ungleichgewichten in der Muskulatur, die langfristig Haltungsschäden begünstigen. Ein flacher Bauch braucht mehr als Sit-ups Die Vorstellung, durch Sit-ups schnell eine definierte Bauchmuskulatur zu bekommen, ist irreführend. Sichtbare Muskeln sind vor allem eine Frage des Körperfettanteils: • Frauen benötigen weniger als 20 % Körperfett. • Männer sollten unter 15 % liegen. Ohne die Kombination aus gesunder Ernährung, Gewichtsreduktion und einem ganzheitlichen Trainingsansatz bleibt das Ziel der „Sommerfigur“ unerreichbar. Gesundere Alternativen für dein Training Für ein effektives und gesundes Bauchmuskeltraining sollten Übungen gewählt werden, die die gesamte Muskelkette ansprechen. Beispiele sind: • Planks (Unterarmstütz):  Diese Übung trainiert nicht nur die Bauchmuskulatur, sondern stärkt auch den gesamten Rumpf. • Liegestützvariationen:  Aktiviert die vorderen Muskelketten und fördert die Stabilität. • Rotationen:  Übungen wie Russian Twists sprechen die seitlichen Bauchmuskeln und die Rumpfstabilität an. Mit der Osteopathie können Fehlspannungen der Bauchorgange sowie Bauchmuskulatur ertastet und behandelt werde. Gleichzeigt können Ihnen gezielte Übungen gezeigt werden, die auf Ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt sind. Fazit: Warum Sit-ups nicht in deinen Trainingsplan gehören Sit-ups scheinen auf den ersten Blick effektiv, verursachen jedoch häufig mehr Schaden als Nutzen. Die Belastung auf den Bauchraum, die Überforderung der Muskulatur und die Gefahr von Fehlhaltungen sprechen klar dagegen. Um langfristige Gesundheitsprobleme zu vermeiden, lohnt es sich, auf schonendere und funktionellere Alternativen umzusteigen. Wenn du Zweifel hast oder unter Beschwerden leidest, ist es ratsam, einen Osteopathen aufzusuchen. Er kann Spannungen im Bauchraum analysieren und individuelle Trainingsansätze vorschlagen. Der Körper wird es danken. Und bekanntlich ist die Kette nur so stark wie ihr schwächstes Glied! ________________________________________________________________________________ Quellen: Prometheus: Innere Organe. Schünke M , Schulte E , Schumacher U , Voll M , Wesker K , Hrsg. 6., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag KG; 2022 S. 234ff Prometheus: Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem: Michael Schünke , Erik Schulte , Udo Schumacher , Hrsg. 6., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag KG; 2022 S.154ff, 164ff Myers TW. Anatomy Trains: Myofasziale Leitbahnen – Therapie für die strukturelle Balance. 3. Aufl. München: Elsevier; 2014. S. 201–224, 223, 107, 115 https://www.health.harvard.edu/staying-healthy/want-a-stronger-core-skip-the-sit-ups?utm_source=chatgpt.com Gesehen am 15.01.2025 https://www.businessinsider.de/wissenschaft/abnehmen-situps-sind-nicht-nur-ueberschaetzt-sondern-auch-gefaehrlich-2019-3/?utm_source=chatgpt.com Gesehen am 15.01.2025

  • Gesundheit für den Fuss - ein unterschätztes Fundament

    Unsere Füße tragen uns durchs Leben, schenken Stabilität und ermöglichen Bewegung – sie verdienen unsere besondere Aufmerksamkeit. Mit ihren 26 Knochen, 27 Gelenken, 32 Muskeln und über 1.500 Nervenenden sind sie ein komplexes Meisterwerk der Natur. Warum ist ein gesunder Fuss so wichtig? Die Füße sind das Fundament unseres Körpers und beeinflussen unsere gesamte Statik und entscheidend für die Gesundheit. Sie kontrollieren Bewegungen, sorgen für Gleichgewicht und spielen bei allen Aktivitäten wie Stehen, Gehen, Laufen und sogar Sitzen eine entscheidende Rolle. Ein gesunder Fuß trägt maßgeblich zu unserer Lebensqualität bei. Die komplexe Anatomie der Füße Unsere Füße bestehen aus einer Vielzahl von Knochen, Gelenken, Bändern und Muskeln: • Obere und untere Sprunggelenke:  Sie ermöglichen Bewegungen wie Beugen, Strecken und Drehbewegungen. • Fußgewölbe:  Das Längs- und Quergewölbe sorgt für Dämpfung und Stabilität. • Fußsohle:  Ausgestattet mit einer dicken Sehnenplatte, die Belastungen aufnimmt und Kräfte weiterleitet. Fußgesundheit und Verletzungen Umknicktraumata oder Überlastungen können die Stabilität der Füße beeinträchtigen. Äußere Bänder im Sprunggelenk sind häufig betroffen und führen zu Schwellungen oder Blutergüssen. In solchen Fällen helfen Ruhe, Hochlagerung, Kühlung und Stabilisierung mit Kinesiotapes. Die Verbindung zwischen Füßen und dem ganzen Körper Die Füße stehen in direkter Verbindung mit unserem gesamten Körper: • Über die Faszienkette kommunizieren sie mit der Rückenmuskulatur bis hin zur Stirn. • Rezeptoren in der Fußsohle registrieren den Untergrund und leiten Informationen an das Gehirn weiter, was unser Gleichgewicht und unsere Wahrnehmung verbessert. Tipps für mehr Gesundheit für den Fuss Damit Ihr Fuss fit die Gesundheit erhält, können Sie folgende Maßnahmen ergreifen: • Barfußlaufen:  Fördert die Wahrnehmung und stärkt die Fußmuskulatur. • Bewegung:  Gehen, Laufen, Tanzen oder Springen halten die Füße dynamisch. • Fußpflege:  Wechselbäder, Fußmassagen oder Übungen mit der Faszienrolle können die Durchblutung und Beweglichkeit fördern. Wann ist professionelle Hilfe sinnvoll? Bei Funktionsstörungen oder Schmerzen sollten Sie einen Manualtherapeuten oder Osteopathen aufsuchen. Mit gezielten Griffen und einem geschulten Blick kann dieser Blockaden lösen, Fehlstellungen korrigieren und Überlastungen aufdecken. Fazit:  Die Gesundheit Ihrer Füße wirkt sich auf Ihr Wohlbefinden aus. Schenken Sie ihnen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen, und unterstützen Sie sie aktiv – denn sie sind die Basis, die Sie durchs Leben trägt!

  • Silent Killer: Alles Wichtige über Bluthochdruck und Osteopathie

    Bluthochdruck, auch als arterielle Hypertonie bekannt, ist eine stille Bedrohung, die weltweit Millionen von Menschen betrifft. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen 54 % aller Schlaganfälle und 47 % aller Herzinfarkte auf Bluthochdruck zurück. In Deutschland sind laut Robert-Koch-Institut 44 % der Frauen und 51 % der Männer im Alter von 30 bis 80 Jahren betroffen – und die Dunkelziffer ist hoch. Aber was genau ist Bluthochdruck, warum ist er so gefährlich, und was können Sie dagegen tun? Was ist Bluthochdruck? Der Blutdruck misst die Kraft, mit der das Blut auf die Gefäßwände drückt. Dabei gibt es zwei Werte: den systolischen Wert (oberer Wert), der beim Herzschlag entsteht, und den diastolischen Wert (unterer Wert), der während der Entspannungsphase des Herzens gemessen wird. Optimal sind Werte von 120/80 mmHg. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck ab 140/90 mmHg gilt als Hypertonie und birgt gesundheitliche Risiken. Warum entsteht Bluthochdruck? In den meisten Fällen (ca. 95 %) sind Bluthochdruckpatienten von einer Kombination aus genetischen Faktoren (30 %) und ungesunder Lebensweise (70 %) betroffen. Dazu zählen: • Ungesunde Ernährung • Bewegungsmangel • Übermäßiger Salzkonsum • Alkohol- und Tabakkonsum Auch natürliche Alterungsprozesse und Erkrankungen wie Niereninsuffizienz oder hormonelle Störungen können Bluthochdruck begünstigen. Die Gefahren von Bluthochdruck Bluthochdruck bleibt oft unbemerkt, da er lange Zeit keine Symptome verursacht. Doch die langfristigen Folgen sind gravierend: • Schlaganfall und Herzinfarkt • Nierenschäden und Wasseransammlungen • Augenerkrankungen und Sehstörungen • Diabetes und weitere Stoffwechselstörungen Eine unbehandelte Hypertonie kann zu lebensbedrohlichen Krisen führen. Deshalb sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen essenziell. Wie Sie Bluthochdruck senken können Die gute Nachricht: Sie können viel tun, um Ihren Blutdruck zu senken – oft sogar ohne Medikamente. Hier einige effektive Maßnahmen: 1. Regelmäßiger Sport Moderater Ausdauersport wie Radfahren, Schwimmen oder Nordic Walking kann den Blutdruck um 10–20 mmHg senken. Trainieren Sie 3-mal wöchentlich für 30–45 Minuten, idealerweise in einem moderaten Tempo. 2. Gewichtsreduktion Jedes verlorene Kilogramm zählt! Eine Gewichtsabnahme um 5 % Ihres Körpergewichts kann den Blutdruck spürbar verbessern. 3. Salzkonsum reduzieren Reduzieren Sie die tägliche Salzzufuhr auf 6 Gramm (ca. 1 Teelöffel). Übermäßiger Salzkonsum erhöht den Blutdruck deutlich. 4. Rauchen aufgeben Rauchen schädigt die Gefäße und erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erheblich. 5. Alkoholkonsum reduzieren Alkohol in großen Mengen fördert Bluthochdruck und Übergewicht. 6. Stressbewältigung Achtsamkeit, Yoga oder gezielte Entspannungstechniken können helfen, den Blutdruck zu senken. Wann Medikamente nötig sind Wenn die oben genannten Maßnahmen nicht ausreichen, kann eine medikamentöse Behandlung erforderlich sein. Kombinationspräparate aus verschiedenen Wirkstoffgruppen senken den Blutdruck effektiv und schützen langfristig Ihre Gefäße. Lassen Sie sich hierzu individuell von Ihrem Hausarzt oder Kardiologen beraten. Fazit: Bluthochdruck rechtzeitig erkennen und handeln Bluthochdruck ist kein Schicksal! Mit einer bewussten Lebensweise, regelmäßigen Arztbesuchen und gegebenenfalls medikamentöser Unterstützung können Sie Ihre Gesundheit langfristig schützen. In meiner Praxis für Osteopathie unterstütze ich Sie dabei, durch gezielte Behandlungsansätze und individuelle Beratung Ihre Lebensqualität zu steigern und Bluthochdruck aktiv entgegenzuwirken. Kontaktieren Sie mich und starten Sie Ihre Reise zu einem gesünderen Leben! __________________________________________ Quellen: http:// www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/34450083 zuletzt besucht: 15.01.2025 Lawes CM, Vander Hoorn S, Rodgers A: Global burden of blood-pressure-related disease, 2001. Lancet 2008; 371: 1513–8 CrossRef Hauner H, von Ferber L, Köster I (1992) Schätzung der Diabeteshäufigkeit  in der Bundesrepublik Deutschland anhand von Kassendaten. Dtsch Med Wschr 117 (17): 645-650 Klaus D, Gleichmann S (1998) Bluthochdruckund kardiovaskuläre Risikofaktoren. Ein Leit- faden für Arzt-Patienten-Seminare, 3. Auflage.Dr. Werner Jopp Verlag, Wiesbaden Bergmann KE, Mensink GBM (1999) Körpermaße und Übergewicht. Gesundheitswesen 61 (Sonderheft 2): S. 115-S.120 Mulrow CD, Chiquette E, Angel L et al. (2005)Dieting to reduce bodyweight for controlling hypertension in adults. Cochrane Databaseof Systematic Reviews 1998, Issue 3, John Wiley&Sons

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